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Maskenpflicht in Österreich: Ist das auch in Deutschland zu erwarten?

Maskenpflicht in Österreich: Ist das auch in Deutschland zu erwarten? 1

Österreich zeigt bisher im Vergleich zu den meisten europäischen Staaten relativ gute Ergebnisse im Kampf mit der COVID-19 Erkranung. Viele haben gehofft, dass dies zu einer vorzeitigen Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen führen wird. Bundeskanzler Sebastian Kurz hat aber bei der heutigen Pressekonferenz im Kanzleramt ganz deutlich gemacht, dass die Hoffnungen falsch liegen. Die Quarantäne wird nicht aufgehoben. Ganz im Gegenteil. Denn es kommt zu einer Maskenpflicht in Lebensmittelmärkten, um das COVID-19-Virus bestmöglich einzudämmen.

Österreichische Regierung verschärft die Maßnahmen 

Gestern Vormittag haben der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vize-Kanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer gemeinsam eine Pressekonferenz gegeben, um den aktuellen Stand in Österreich bezüglich COVID-19 bekanntzugeben.

Viele Menschen haben davon geträumt, dass die guten Ergebnisse im Kampf gegen das Virus zumindest zu einer Auflockerung der Maßnahmen führen würden. Ihre Hoffnungen hat der Bundeskanzler aber gleich abgekühlt. “Auch nach 2 Wochen Notbetrieb stehen wir erst am Beginn eines Marathons. Es ist unsere Aufgabe, ehrlich zu sein. Es ist ein großes Problem, dass es nach wie vor viele Verharmloser in unserer Gesellschaft gibt”, so der Bundeskanzler. Die Regierung sei in den letzten Tagen sehr intensiv in Beratungen mit Virologen und Mathematikern und die Realität sei einfach. Die getroffenen Maßnahmen seien richtig und wirken, aber die Ausbreitung des Coronavirus in Österreich müsse stärker gedrückt werden, meint Kurz.

Alle bisher geltenden Maßnahmen bleiben zusätzlich zur Maskenpflicht in Kraft. Es kommen zusätzlich 3 neue Punkte. Ab Mittwoch, dem 01.04.2020, wird das Tragen einer Atemschutzmaske während dem tätigen von Einkäufen zur Pflicht. Die Masken werden von den Supermärkten am Eingang ausgehändigt. Das Ziel sei, mittelfristig die Masken nicht nur im Supermarkt, sondern auch darüber hinaus zu tragen, überall dort, wo der Kontakt zwischen Menschen stattfindet.

Zusätzlich werden auch Zugangsbeschränkungen in den Supermärkten eingeführt, damit Menschenansammlungen drinnen reduziert werden. Es wird auch intensiver auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands aufgepasst. Außerdem wird die touristische Nutzung von Hotels per Erlass eingestellt (1). Innenminister Nehammer hat hinzugefügt, dass die Polizei künftig noch stärkere Präsenz zeigen werde und diejenigen, die sich nicht an den Schutzmaßnahmen halten, angezeigt werden.

Was hat dazu geführt?

Spielplatz wegen COVID-19 gesperrt
Spielplatz wegen COVID-19 gesperrt

Trotz der relativ guten Ergebnisse im Kampf gegen das Virus sei die Lage in Österreich mit circa 9.100 Erkrankten, rund 1.000 davon hospitalisiert, und über 100 Toten dramatisch, so Gesundheitsminister Anschober. Die wissenschaftliche Prognose, auf der sich die heutige Entscheidung der Regierung basiert, bringt keine Hoffnung zur baldigen Auflockerung der Maßnahmen. Dieser Argumentation zufolge ist die angekündigte Maskenpflicht für Lebensmittelmärkte wenig überraschend. Es wird auch bereits gemunkelt, dass es zu einer zusätzlichen Ausweitung besagter Maskenpflicht kommen könnte, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit könnte der COVID-19 Erkrankung zusätzlich ein Dämpfer verpasst werden, so Experten.

Die alles entscheidende Größe ist der Replikationsfaktor R0. Dieser sagt aus, wie viele andere Personen ein Infizierter während der aktiven Phase der Krankheit durchschnittlich ansteckt, das heißt bevor er wieder gesund wird oder stirbt. Ein Wert von 2 zum Beispiel bedeutet, dass von jedem Infizierten 2 neue angesteckt werden. Wenn der Replikationsfaktor kleiner als 1 ist, klingt die Epidemie nach und nach ab. Wenn er aber größer als 1 ist, wird sich das Virus immer weiter mit exponentieller Geschwindigkeit ausbreiten.

In der ersten Berechnung der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung (AGES) liegt der Replikationsfaktor für SARS-CoV-2 in Österreich Mitte März bei 1.62 (2). Wenn es mit dem Wert so weitergeht, kann man bis Mitte April mit einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems rechnen. Darauf hat auch Österreichs Bundeskanzler betont: “Der Replikationsfaktor muss unter 1 sinken und mittelfristig in Richtung 0 verlaufen. Die Wahrheit ist, dass kein Gesundheitssystem der Welt eine zu schnelle Ausbreitung dieser Krankheit stemmen kann.” (1)

Ab Mittwoch Maskenpflicht in Österreich

Jeder muss in Österreich ab April 2020, also dem 01.04.2020, beim Einkaufen und laut den zusätzlichen Empfehlungen im Idealfall im Freien eine Atemschutzmaske am Gesicht haben. Wieso hat sich aber die Bundesregierung in unserem Nachbarland genau zu dieser Maßnahme entschieden? Was bringt eigentlich eine Maskenpflicht? Unbegründet ist die Maßnahme der Regierung auf jeden Fall nicht.

Eine der Sachen, die das Virus so problematisch macht, ist seine Virulenz, in anderen Worten die große Ansteckungsrate. Außerdem beträgt die Inkubationszeit 2 bis 3 Wochen. Das heißt, dass eine infizierte Person für 2 bis 3 Wochen keine Symptome zeigen kann. In dieser Zeit hat man keine Ahnung, dass man infiziert ist und steckt die Leute, mit denen man Kontakt hat, eventuell auch an. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion: winzige Speichel-Tröpfchen, die Viren enthalten und durch Husten, Niesen oder Sprechen an die Luft gelangen, werden eingeatmet und siedeln in den Mund-Rachen-Raum.

Wenn alle Menschen draußen eine Maske tragen würden, wäre das aus 2 Gründen vorteilhaft. Einerseits würden diese Speichel-Tröpfchen von der Maske abfiltriert und von den Maskenträgern nicht eingeatmet werden. Andererseits würde die Maske solche Tröpfchen aufhalten, die vom Träger ausgeatmet werden. Dies ist besonders im Zusammenhang mit der Inkubationszeit von großer Bedeutung, weil dadurch auch Infizierte in der symptomlosen Zeit eine Maske tragen würden und die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie weitere Personen anstecken, vermutlich geringer sein würde. Es erscheint daher logisch, dass die Maskenpflicht positive Resultate in der Bevölkerung erzielen wird.

Atemschutzmaske ist nicht gleich Atemschutzmaske

Einwegmundschutz im Einsatz - das ist jedoch keine FFP1-Maske
Einwegmundschutz im Einsatz – das ist jedoch keine FFP1-Maske

Es ist wichtig, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Maskenarten verstanden werden. Die einfache chirurgische Maske (FFP1-Maske) zum Beispiel bietet laut Experten keinen effizienten Schutz für den Träger an. Sie ist eher dafür gedacht, dass möglicherweise infektiöse Tröpfchen aus dem Atemtrakt des Chirurgen beim Operieren nicht in das Operationsgebiet gelangen (3). Trotzdem kann eine solche Maske sinnvoll sein: zum Schutz anderer Personen.

Es gibt aber auch andere Maskentypen, die in der Lage sind auch Schutz für den Träger zu schaffen. Die FFP2- und FFP3-Maske bergen schon höhere Sicherheit für den Träger, weil ihre Filterporen einen größeren Teil der Luftpartikel im Vergleich zur chirurgischen Maske aufhalten (4). Außerdem helfen sie auch gegen Schmierinfektionen, die durch den häufigen Griff am Mund und an der Nase zustande kommen. Jedoch sollte das Tragen einer Atemschutzmaske nicht zu einem falschen Gefühl der hundertprozentigen Sicherheit führen. Dies kann gefährlich werden, weil so ein Gefühl eine Vernachlässigung der anderen Schutzmaßnahmen als Folge haben könnte. 

Sich schützen und informiert sein

Man sieht in den Supermärkten ziemlich viele Menschen, besonders Frauen, die mit einem Schal oder Halstuch am Gesicht herumspazieren. Dies macht aber leider wenig Sinn, denn das Gewebe ist mit Abstand nicht dicht genug, damit man überhaupt von Schutz reden kann. Natürlich unterbindet es die Verbreitung des Coronavirus minimal, eine akkurate und nachhaltige Maskenpflicht sollte aber eher auf Schutzmasken abzielen.

Während manche selbstgemachte Schutzmasken tragen, tragen andere sogar Handschuhe beim Einkaufen. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei den Atemschutzmasken: Handschuh ist nicht gleich Handschuh. Stoff- und Lederhandschuhe sind in dem Fall nutzlos, da die Viren durch die Poren in diesen Materialien problemlos durchgehen können. Latex- und Nitrilhandschuhe sind sinnvoller, nachdem sie in der Lage sind nichts durchzulassen. Die ganze Geschichte mit den Handschuhen wäre aber eigentlich sinnlos, wenn man sich nur einmal unbewusst am Gesicht anfasst. Deswegen ist es viel wichtiger sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen (mindestens 20 Sekunden), und darauf zu achten, nur mit gewaschenen Händen das Gesicht zu berühren. Wobei es am besten wäre zur Sicherheit das Gesicht gar nicht zu berühren.

Man erkennt anhand dieser Tipps sowie der Komplexität des Themas, dass eine Maskenpflicht nicht ganz ohne Probleme kommt. Denn der korrekte Umgang mit den Masken, das Durchhaltevermögen der Bevölkerung damit und auch die Konsistenz aller Beiligten spielen eine wesentliche Rolle. Wir hoffen, dass diese Situation so schnell wie möglich ein Ende nimmt. Gleichzeitig müssen wir auch realistisch sein und uns auf einige Wochen oder gar Monate mit beschränktem Leben in der Öffentlichkeit sowie laufender Maskenpflicht einstellen.

Quellen:

  1. https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/nachrichten-der-bundesregierung/2020/bundeskanzler-sebastian-kurz-mund-nasen-schutz-wird-pflicht-abstand-halten-weiterhin-wichtig.html
  2. https://volksblatt.at/coronavirus-experten-deutlich-strengere-massnahmen-in-oesterreich-notwendig/
  3. https://www.fr.de/wissen/coronavirus-sars-cov-2-schuetzen-atemschutzmasken-gegen-virus-13505359.html

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